098/2008
Stuttgart, 6. Mai 2008. Wissenschaftler und Unternehmensführer fordern in einer gemeinsamen Studie von IBM und der Universität Cambridge eine Verdopplung der weltweiten Ausgaben für Ausbildung und Forschung im Dienstleistungssektor. Sie begründen dies mit der wachsenden Diskrepanz zwischen der globalen Bedeutung der Dienstleistungsbranche und den niedrigen Investitionen in Ausbildung und Forschung in diesem Bereich.
Laut der Studie „Succeeding through Service Innovation“ arbeiten heute bereits mehr als 70 Prozent der Briten und Deutschen in Dienstleistungsberufen. Alleine in den USA werden mit „Services“ rund 80 Prozent des Bruttosozialproduktes erwirtschaftet. Weltweit waren im Jahr 2007 erstmals mehr Menschen im Dienstleistungssektor beschäftigt als in der industriellen Produktion oder Landwirtschaft.
Die Forschungs- und Ausbildungssituation steht dazu in einem deutlichen Missverhältnis: So werden etwa zwei Drittel der Forschungsmittel weltweit immer noch für die Weiterentwicklung der klassischen industriellen Produktion und Produktinnovationen ausgegeben. Benötigt werden wesentlich höhere Investitionen in die Ausbildung von Dienstleistungsspezialisten mit interdisziplinären Kenntnissen. Diese müssen in der Lage sein, die Zusammenarbeit unterschiedlichster Bereiche in Unternehmen erfolgreich zu managen.
„Die Fähigkeit, Forschung, Technologie, Produktion und Dienstleistung erfolgreich zu integrieren, wird immer mehr zum Erfolgsfaktor nicht nur für Unternehmen, sondern für das gesamtwirtschaftliche Wachstum“, sagt Professor Mike Gregory, Leiter des Institute for Manufacturing (IfM) an der Universität Cambridge und Mitautor der Studie.
Die Studie gibt Empfehlungen für Hochschulen, Forscher, Regierungen und Unternehmen:
Hochschulen: Studiengänge und Spezialisierungen sollen Studierende befähigen, als „Dienstleistungsspezialisten“ über traditionelle wirtschaftliche und wissenschaftliche Grenzen hinweg interdisziplinär an Problemen im Dienstleistungsmarkt zu arbeiten.
Forscher: Interdisziplinäre Forschung soll vorangetrieben werden, um den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die mit dem Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft verbunden sind, gerecht zu werden.
Regierungen: Politik, Wirtschaft und Wissenschaft müssen sich in Zukunft stärker auf die Förderung von Ausbildung und Forschung im Bereich „Services“ fokussieren. Neben finanziellen Investitionen sind auch langfristige Programme zur Steigerung der Innovationsfähigkeit im Bereich Dienstleistungen erforderlich.
Unternehmen: Die Förderung und Entwicklung von Nachwuchskräften und die damit verbundenen Investitionen in Aus- und Weiterbildung müssen sich stärker an die wachsenden Anforderungen der Dienstleistungsgesellschaft anpassen.
Weitere Informationen zur Studie unter: www.ifm.eng.cam.ac.uk/ssme
Hintergrund:
Das Engagement der IBM für Dienstleistungswissenschaften in Deutschland
IBM engagiert sich in Deutschland bereits seit mehreren Jahren für die Stärkung der Dienstleistungsforschung und des Dienstleistungsstandortes – beispielsweise durch die Ausrichtung von Konferenzen zum Thema Dienstleistungswissenschaft oder den Vorsitz des Arbeitskreises Dienstleistungen im Rahmen der Innovationsinitiative der Bundesregierung. Durch die Mitgründung eines Institutes für Dienstleistungsforschung wird ein weiterer Meilenstein erreicht, der die strategische Bedeutung des Themas Services unterstreicht. Im Januar 2008 unterzeichneten IBM und die Universität Karlsruhe einen Vertrag zur Gründung des „Karlsruhe Service Research Institute“, das die Forschung und Ausbildung von Spezialisten für den Dienstleistungssektor in Deutschland voranbringen soll. Wichtiger Bestandteil der zunächst für fünf Jahre vereinbarten Kooperation ist zudem ein innovatives „industry-on-campus“-Konzept: Forscher von IBM arbeiten vor Ort eng mit Wissenschaftlern der Universität zusammen. Dafür finanzieren Universität und IBM jeweils eine neue Professur. Diese fassen sie mit den Professuren für Wissensmanagement sowie Information and Market Engineering der Fakultät für Wirtschaftwissenschaften in einer zentralen Einrichtung zusammen, die IBM fördert.
Weitere Informationen zu IBM University Relations: ibm.com/de/ibm/unternehmen/university_relations/index.html
Weitere Informationen zum Karlsruhe Service Research Institute: www.ksri.de
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