GBS/028/2008
Stuttgart, 20. Februar 2008 – Unternehmen sind auf einschneidende Risiken nur unzureichend vorbereitet: 62 Prozent der Unternehmen mit einem Umsatz von über fünf Milliarden Dollar hatten in den vergangenen drei Jahren mit strategischen, operativen oder geopolitischen Problemen zu kämpfen – und 42 Prozent der Unternehmen waren nicht gut darauf vorbereitet. Dies ist das zentrale Ergebnis der neuen IBM Global CFO Studie, für die über 1.200 Chief Financial Officers (CFOs) und Führungskräfte aus Finanzabteilungen aus 79 Ländern befragt wurden. In Deutschland – mit 80 befragten Finanzexperten – waren zwar weniger Unternehmen massiven Risiken ausgesetzt (46 %), aber sogar die Hälfte der CFOs fühlte sich darauf schlecht vorbereitet. Die Studie mit dem Titel “ Die richtige Balance zwischen Risiko und Performance durch eine Integrierte Finanzorganisation“ wurde von der Unternehmensberatung IBM Global Business Services mit Unterstützung der Wharton School der University of Pennsylvania und der Economist Intelligence Unit entwickelt. Die internationale Befragung geht der Frage nach, wie Finanzorganisationen mit den Chancen und Risiken der Globalisierung für ihr Unternehmen umgehen.
Eine wichtige Erkenntnis der Studie ist, dass Unternehmen, die ihr Finanzwesen als integrierte Finanzorganisationen aufgestellt haben, eine wesentlich bessere finanzielle Performance zeigen als nicht-integrierte Finanzorganisationen und besser sind im proaktiven Risikomanagement. Zudem sind Unternehmen mit einer integrierten Finanzorganistion wesentlich robuster und können die Entscheidungsfindungsprozesse für ihr Management besser unterstützen. Integrierte Finanzorganisationen (IFOs) haben sich konzernweit einzuhaltende Mindeststandards für ihr Finanzwesen verordnet, sich auf einen konzernweiten Kontenrahmen und -plan, auf weltweit einheitliche Datendefinitionen und standardisierte Finanzprozesse sowie globale Regelwerke und Richtlinien verständigt. Die Autoren der Studie begreifen diese vier Kriterien als Schlüsselkomponenten guter Unternehmens-Governance. Aber weniger als eines von sieben Unternehmen managen die Integration ihrer Finanzfunktion unter Einhaltung dieser vier Vorgaben.
Wem „gehört“ das Risiko?
CFOs sind innerhalb ihrer Unternehmen immer häufiger für das Risikomanagement verantwortlich und teilen sich diese Rolle mit den CEOs. Laut Studie wird von 61 Prozent der Unternehmen erwartet, dass CFOs im Risikomanagement eine leitende Rolle innerhalb ihres Unternehmens übernehmen, gefolgt von den CEOs (50%), den Chief Technology Officers (27%) und den Chief Risk Officers (19%). In Deutschland gibt es hier eine leichte Verschiebung in Richtung der CFOs und der Chief Risk Officer: Die Studie hat ergeben, dass 68% der CFOs verantwortlich für das Managen von Risiken sind, danach folgen der CEO (50%), der Chief Risk Officer (34%) und schließlich der Chief Technology Officer (15%).
Die Studie zeigt auch, dass durch die Globalisierung zwar zusätzliche Wachstumschancen entstehen, aber auch höhere Risiken drohen. Die Befragung ergab, dass große Unternehmen mit einem Umsatz von über fünf Milliarden Dollar in den vergangenen drei Jahren eine Reihe unterschiedlichster Problemfälle bewältigen mussten: strategische (32 %), geopolitische (17 %), umwelt- und gesundheitsbezogene (17 %), finanzielle (13 %), operative (13 %) oder juristische und Compliance-Risiken (8 %).
Formalisiertes Risikomanagement steckt noch in den Kinderschuhen
Obwohl Risiken ständig gegenwärtig sind, haben sehr viele Unternehmen kein formalisiertes Risikomanagement-Programm. Nur 52 Prozent gaben an, dass sie irgendeine Form eines solchen Programms haben, während 42 Prozent historische Vergleiche im Unternehmensgeschehen hinzuziehen, um Risiken zu vermeiden. Nur 32 Prozent arbeiten mit spezifischen Risikogrenzwerten und nur 29 Prozent entwickeln Risiko-bezogene Vorhersagen und Pläne.
In Deutschland haben wir ein leicht differenziertes Bild, wobei hierbei hervorzuheben ist, dass die Aussagen von Unternehmen getroffen wurden, die in den letzten drei Jahren einer Risikosituation ausgesetzt waren und offenbar entsprechend reagiert haben: 73 Prozent dieser Unternehmen haben ein Risikomanagement-Programm, 43 Prozent ziehen historische Vergleiche heran, um Risiken zu vermeiden. 55 Prozent arbeiten mit spezifischen Risikogrenzwerten und 50 Prozent entwickeln Risiko-bezogene Vorhersagen und Pläne.
Der Aufstieg integrierter Finanzorganisationen (IFOs)
Die Studie stellt außerdem fest, dass Unternehmen mit einer IFO durch eine höhere allgemeine Disziplin flexibler, dynamischer und effektiver bei der Bearbeitung finanzrelevanter Fragestellungen sind und für die Bewältigung von Risiken auch wesentlich besser gerüstet scheinen. Dennoch haben weniger als 15 Prozent mit einem Umsatz von über einer Milliarde US-Dollar eine integrierte Finanzorganisation.
IFOs sind finanziell leistungsfähiger
Insgesamt erreichen Unternehmen mit einer integrierten Finanzorganisation höhere Wachstumsraten. Die Umsatzzuwachsraten der befragten Unternehmen mit einer integrierten Finanzorganisation sind doppelt so hoch wie die von Unternehmen, deren Finanzbereiche nicht integriert organisiert sind. Die Hälfte der befragten Unternehmen ist dabei in stark wachsenden Unternehmen vertreten. Unternehmen mit einer IFO sind ihren Wettbewerbern in diesen Märkten dabei sowohl bei der Entwicklung des Aktienkurses als auch der Entwicklung der CAGR (Compound Annual Growth Rate) weit überlegen: Das Umsatzwachstum stieg für Unternehmen mit IFO um 24 Prozent gegenüber 14 Prozent für Nicht-IFOs.
IFOs gehen mit Risken besser um
Die Erkenntnisse der Studie lassen vermuten, dass CFOs integrierter Finanzorganisationen bei der Unterstützung und im Managen von Risiken proaktiver sind als ihre Kollegen aus Nicht-IFOs. CFOs von integrierten Finanzorganisationen geben an, dass sie beim Risikomanagement aktiver und effektiver sind (60 %) als ihre Counterparts in Unternehmen ohne IFO (43 %), und sie fühlen sich auch besser auf mögliche Risiken vorbereitet. Auf die Frage nach der eigenen Risiko-Vorsorge gaben 62 Prozent der IFO-Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über fünf Milliarden Dollar, die in den vergangenen drei Jahren eine Risiko-Situation erlebten, an, dass sie gut darauf vorbereitet waren, während dies in der gleichen Situation nur 29 Prozent der Nicht-IFOs waren.
Integrierte Finanzorganisationen setzen sich proaktiver und analytischer mit den Risiken für ihr Unternehmen auseinander: 66 Prozent der IFOs sind „offiziell“ dafür verantwortlich, unternehmensweit Risiken zu identifizieren und zu managen (51 % bei den nicht-integrierten), 63 Prozent führen regelmäßig ein Monitoring ihres Managements durch (49 %) und 51 Prozent nutzen historische Vergleiche (41 %).
„Mit einem global integriertem Finanzressort können Unternehmen den großen Herausforderungen der Globalisierung besser begegnen – und so Marktchancen und Effizienzpotentiale besser nutzen“, sagt Thomas Hillek, Leiter des Bereichs Financial Management Consulting bei der Unternehmensberatung IBM Global Business Services. „Die Neuausrichtung des Finanzwesens und die entsprechenden Veränderungsthemen für Geschäftsprozesse, Mitarbeiter und IT-Systeme sind alles andere als einfach. Dennoch sagen mehr als zwei Drittel der von uns befragten Finanzexperten, dass dieser Schritt zwingend erforderlich sei.“
Die Studie
Für die IBM Global CFO Study 2007 – mit dem Titel „Die richtige Balance zwischen Risiko und Performance durch eine Integrierte Finanzorganisation“ – wurden mehr als 1.200 Chief Financial Officers (CFOs) und Führungskräfte aus Finanzabteilungen aus 79 Ländern befragt (davon mehr als 80 Personen in Deutschland). Durchgeführt wurde die Studie von der Financial Management Consulting Practice der IBM Beratungssparte Global Business Services und dem IBM Institute for Business Value im Frühjahr und Sommer 2007. Die meisten Teilnehmer wurden von IBM Experten in persönlichen und strukturierten Interviews befragt. Ergänzt wurden die Daten durch eine Online-Befragung, die IBM in Kooperation mit The Economist Intelligence Unit durchgeführt hat. Die befragten Finanzexperten repräsentieren Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen unterschiedlicher Größenklassen.
Die Studie steht im Internet unter folgendem Link zum Download zur Verfügung: ibm.com/de/pressroom/downloads/cfo-studie-2008.pdf
Weitere Informationen zu IBM finden Sie unter: www.ibm.com/de/pressroom
Über IBM Global Business ServicesMit Beratungsexperten in über 160 Ländern ist IBM Global Business Services die größte Beratungsorganisation der Welt. IBM Global Business Services bündelt Beratungs- und Geschäftsprozess-Expertise für unterschiedliche Branchenanforderungen der Kunden. Zu den Beratungsfeldern gehören Strategy & Change, Supply Chain Management, Customer Relationship Management, Financial Management, Human Capital Management sowie IT-Services (Integration und Management von Applikationen); damit deckt IBM Global Business Services die komplette unternehmerische Wertschöpfungskette ab. Unternehmen jeder Größenordnung erwartet ein umfassendes Angebot, angefangen von ersten strategischen Überlegungen über die Implementierung der passenden Lösungen bis hin zu deren Betrieb. Im Vordergrund stehen innovative Transformationsleistungen, mit denen Kunden sich vom Wettbewerb differenzieren, Reserven für Wachstum freisetzen sowie ihre Kosten senken, die Effizienz steigern und mehr Flexibilität erreichen können.
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