Alle Städte auf der ganzen Welt kämpfen mit demselben Problem: es gibt zu wenig Straßen für zu viele Fahrzeuge. Stockholm war da mit über einer halben Million Fahrzeugen pro Tag in der Innenstadt keine Ausnahme. Im Jahr 2005 verlängerten sich so die Fahrzeiten für Pendler um 18 % im Vergleich zum Vorjahr.
Aus diesem Grund haben die SNRA (Swedish National Road Administration) und der Stadtrat von Stockholm Anfang 2006 versuchsweise eine Verkehrssteuer eingeführt, d. h. eine Art Mautsystem wie in Singapur, London und Oslo. Das Ziel war nicht nur eine Verringerung des Verkehrsaufkommens, das System sollte vielmehr auch weitere Vorteile mit sich bringen, wie z. B. eine stärkere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und eine geringere Umweltbelastung. Die schwedische Regierung plant den Bau einer Umgehungsstraße, der aus den Steuereinnahmen finanziert werden soll. Die Testphase sollte von Januar bis Juli 2006 dauern. Die neu gewählte Stadtverwaltung beschloss eine Wiedereinführung der Steuer im Jahr 2007. Im Folgenden finden Sie ausführlichere Informationen dazu.
Damit das System funktionierte, mussten die SNRA und die Stadtverwaltung eine Möglichkeit finden, die Gebühren pro Fahrzeug zu erfassen, zu errechnen und einzuziehen. In Zusammenarbeit mit IBM und IBM Geschäftspartnern wurde ein Plan erarbeitet, wie die Gebühren beim Passieren von Kontrollstellen auf dem Weg in die Stockholmer Innenstadt und zurück zu den Stoßzeiten an Werktagen errechnet werden können. Die Stadt richtete an den Zufahrtsstraßen ein störungsfrei arbeitendes System auf der Grundlage von Lasertechnologie, Kameras und IT-Systemen ein, mit dem Fahrzeuge erfasst und identifiziert sowie die zugehörigen Gebühren eingezogen werden. An 18 solchen Kontrollstellen auf Stockholms Zufahrts- und Ausfahrtsstraßen werden, abhängig von der Tageszeit, Fahrzeuge erfasst und Gebühren eingezogen. Die Gebühr pro Durchfahrt betrug je nach Tageszeit 10, 15 oder 20 schwedische Kronen (ca. 1,10 bis 2,20 EUR). Die höchste Gebühr wurde zur Hauptverkehrszeit zwischen 7:30 und 8:29 sowie zwischen 16:00 und 17:29 erhoben. Der Maximalbetrag pro Fahrzeug und Tag lag bei 60 schwedischen Kronen (ca. 6,50 EUR).
Das Fahrzeug passiert den ersten Laserkontakt und löst einen Impuls am Transceiver aus (siehe Schritt 2).
Der Transceiver sendet ein Signal an den im Fahrzeug befindlichen Transponder, mit dem Uhrzeit, Datum und Höhe des zu zahlenden Betrags aufgezeichnet werden.
Zeitgleich mit dem Transceiver nimmt eine Kamera das vordere Kennzeichen des Fahrzeugs auf.
Das Fahrzeug passiert den zweiten Laserkontakt und löst einen Impuls an der zweiten Kamera aus (siehe Schritt 5).
Die zweite Kamera nimmt das hintere Kennzeichen des Fahrzeugs auf. Das Fahrzeug muss hierzu nicht langsamer fahren.
Die fälligen Gebühren werden vom Konto des Fahrzeugbesitzers eingezogen oder über das Internet, eine Bank oder geeignete Unternehmen vor Ort bezahlt.
Das Mautsystem hatte erheblichen Einfluss auf die Verkehrssituation und die Lebensqualität der Einwohner von Stockholm insgesamt. Am Ende des Versuchszeitraums war die Verkehrsbelastung um fast 25 % zurückgegangen. Die Fahrpläne im öffentlichen Nahverkehr mussten überarbeitet werden, da die öffentlichen Verkehrsmittel die Haltestellen auf Grund der geringeren Verkehrsbelastung schneller erreichten. Und der Einzelhandel in der Innenstadt verzeichnete Umsatzsteigerungen von sechs Prozent.
Die Lösung bietet aber weit mehr Vorteile als nur ein geringeres Verkehrsaufkommen:
Die schwedische Regierung hat das Mautsystem im Juli 2007 wieder einführt. In den USA investiert die Regierung 130 Mio. US-Dollar in die Umsetzung eines ähnlichen Systems.