Einleitung
Auf der zweiten, jährlich stattfindenden IBM Veranstaltung "Next 5 in 5" werden die fünf Innovationen vorgestellt, die nach unserer Überzeugung unser Privat- und Berufsleben in den nächsten fünf Jahren entscheidend verändern werden. Hierzu gehören z. B. extrem leistungsfähige Mobiltelefone und die vollständige Rückverfolgbarkeit alltäglicher Nahrungsmittel. Die fünf ausgewählten Innovationen basieren auf Projekten in unseren Forschungslaboren, Erkenntnissen aus unseren "Business Think Tanks" und Ideen von Mitarbeitern weltweit.
Die in diesem Jahr vorgestellten Innovationen greifen einige Aspekte aus dem letzten Jahr auf, wie z. B. weitere Untersuchungen zur Verwendung von virtuellen Personen (Avataren) oder immer leistungsfähigere Mobiltelefone und Nanotechnologien im Hinblick auf die Lösung von Umweltproblemen.
Die Arztpraxis der Zukunft
3D-Darstellung des menschlichen Körpers
Stellen Sie sich vor, bei
Ihrem nächsten Arztbesuch würden Sie statt auf eine dicke Krankenakte
auf eine virtuelle Person blicken, die gehen und sprechen kann –
sozusagen eine 3D-Darstellung Ihres Körpers.
Ihr Arzt kann auf ein bestimmtes Organ dieser virtuellen Person "klicken", z. B. das Herz, und umgehend werden alle zugehörigen medizinischen Daten angezeigt (beispielsweise Texteinträge, Laborergebnisse und Ergebnisse von Ultraschalluntersuchungen).
Der Arzt erhält außerdem anhand von 3D-Darstellungen und Audiodateien wichtige Anhaltspunkte über das Herz – und zwar mit einer bisher nicht möglichen Detailgenauigkeit, um ein besseres Verständnis über die tatsächlichen Beschwerden zu bekommen. Der Computer vergleicht dann automatisch die 3D- und Audiodaten mit Tausenden oder sogar Hunderttausenden ähnlicher Krankenakten und ermöglicht so eine erheblich genauere Diagnose und Behandlung.
Die enorm rasche Verbreitung medizinischer Informationen und neu entstehende Visualisierungstechnologien, die bisher ausschließlich durch den Einsatz von Supercomputern möglich waren, werden die Diagnose und die Behandlung von Patienten bereits in der Arztpraxis nachhaltig verändern.
Dem Arzt stehen damit völlig neue Möglichkeiten zur Verfügung: Technologien, die ihm erlauben, Röntgenstrahl-ähnliche Verfahren für medizinische Darstellungen einzusetzen, extrem empfindliche Geräte, mit denen sich selbst kleinste Herzrhythmus-Störungen feststellen lassen, und neue Wege zur Organisation von Informationen in Anlehnung an die Behandlung eines Patienten, wobei eine Darstellung des menschlichen Körpers als Hilfsmittel für die Datenspeicherung verwendet wird.
Der Mensch ist, was er isst
Unsere Nahrungsmittel bekommen einen digitalen Ausweis
Wenn wir heute einen Apfel essen, wissen wir,
dass wir ihn in einem Supermarkt gekauft haben. In fünf Jahren könnten
wir darüber hinaus wissen, auf welchem Apfelbaum in Deutschland er
gewachsen ist, dass er niemals mit Pflanzenschutzmitteln behandelt
wurde, an welchem Tag er gepflückt wurde, mit welchem Kühlwagen er in
den örtlichen Supermarkt gelangte und dass er 65 Kalorien hat.
Unsere Lebensmittel werden eine Art digitalen Ausweis haben: mit Hilfe von Barcodes der zweiten Generation, Wireless-Markierungen (z. B. RFID-Tags) und speziellen Sensoren können Sie auf detaillierte Informationen über Ihre Lebensmittel zugreifen – über ihren Ursprung, ihre Transportbedingungen oder ihren Bestimmungsort. Sie werden außerdem darüber Bescheid wissen, wie stark die Umwelt durch die Produktion bestimmter Lebensmittel belastet wurde und können Ihre Kaufentscheidung davon abhängig machen.
Auch Ihr Einkaufswagen wird mitdenken: sobald Sie einen Artikel in den Wagen legen, liest dieser den digitalen Ausweis des Artikels mit Hilfe eines mit einem Netzwerk verbundenen Geräts. Wenn Sie z. B. gerade eine Diät auf der Basis eines bestimmten Lebensmittels machen und nicht genau wissen, welches Produkt hierfür in Frage kommt, müssen Sie lediglich eine Packung in den Einkaufswagen legen, um umgehend alle nötigen Informationen zu erhalten.
Treuekarten werden zu einer Art Frühwarnsystem: durch den Einsatz von Treuekarten kann Ihnen Ihr Lebensmittelhändler – per E-Mail, Textnachricht oder Telefon – umgehend mitteilen, wenn Produkte zurückgerufen werden und Sie vor betreffenden Lebensmitteln in Ihrem Kühlschrank warnen. Zugleich kann der Händler den Betrag Ihrem Konto gutschreiben.
Umweltbewusstsein
Ihr persönliches Energiemanagement
Das Thema Umweltbewusstsein ist in aller Munde.
Mit Hilfe einiger neuer Technologien im Hinblick auf "intelligente
Energie" können Sie Ihren Worten bald Taten folgen lassen und Ihr
persönliches Energiemanagement in die Tat umsetzen.
In fünf Jahren erhalten Sie möglicherweise folgende Nachricht auf Ihrem Mobiltelefon: "Die Klimaanlage in Ihrem Haus läuft noch, obwohl sich niemand im Haus befindet. Das verbraucht unnötig Energie. Soll die Klimaanlage ausgeschaltet werden?" IBM arbeitet zusammen mit CenterPoint Energy aus Houston an der Installation von zwei Millionen Internet-fähigen elektrischen Messgeräten, über die Verbraucher ihre Haushaltsgeräte via Web-Browser oder Mobiltelefon steuern können, wenn sie außer Haus sind – um so Zeit, Geld und Energie zu sparen.
Dank dieser Technologie erhalten Sie aktuelle Berichte zum Stromverbrauch und können so die damit verbundenen Kosten und Ihren Energieverbrauch im Auge behalten, ähnlich der Anzeige der Gesprächsdauer auf Ihrem Mobiltelefon, die Ihnen heute schon zur Verfügung steht. Mit Hilfe dieser Informationen können Sie Ihrem Stromanbieter mitteilen, welchen monatlichen CO2-Ausstoß Sie anstreben, wie viel Geld Sie bereit wären zu investieren und welches der optimale Zeitraum für den Betrieb Ihrer Haushaltsgeräte ist.
IBM arbeitet außerdem daran, einem noch größeren Kundenkreis die Nutzung von Solarenergie zu ermöglichen. Hierfür werden neue Methoden entwickelt, mit denen verbrauchte Wafer aus der Halbleiterproduktion bei der Fertigung von Solarzellen wiederverwendet werden können.
Verbesserungen für Berufspendler
Mitdenkende Fahrzeuge
Der Berufsverkehr entspannt
sich, wenn die Verkehrsteilnehmer durch den Einsatz moderner
Technologie Staus auflösen oder vermeiden helfen. Mit dem
fortschreitenden Einsatz von Technologie in Fahrzeugen und der
Konnektivität zwischen Fahrzeugen und Straßen wird die
Verkehrssituation nachhaltig verbessert.
Vermeidung von Verkehrsstaus: Intelligente Verkehrssysteme sind in der Lage, Ampelsteuerungen und Verkehrssignale in Echtzeit anzupassen, die geeignete Höchstgeschwindigkeit festzulegen und den Verkehrsfluss auf weniger befahrene Strecken umzuleiten. Sensortechnologien, GPS- und Satellitensysteme können Autofahrern Informationen liefern, auf deren Grundlage sie sich zur Hauptverkehrszeit für die bestmögliche Fahrtstrecke entscheiden können. In Stockholm konnte auf diese Weise die Spitzenbelastung zur Hauptverkehrszeit bereits um 20 % verringert werden. Das vorausschauende Verkehrsleitsystem in Singapur erreicht eine Genauigkeit von fast 90 %. In den nächsten zwei Jahren unterstützt IBM auch die Stadt New York bei der Entwicklung eines City-Maut-Systems.
Reaktionsfähige Fahrzeuge: Ihr Fahrzeug wird mit einer Sensortechnologie ausgestattet, über die es mit anderen Fahrzeugen und Sensoren entlang der Straße kommuniziert. Die Fahrzeuge können so mögliche Gefahren erkennen und darauf reagieren (z. B. Glatteis) und schnellere bzw. andere Routen vorschlagen.
Öffentliche Verkehrsmittel: Wenn Sie mit dem Zug oder mit dem Bus zur Arbeit fahren, erhalten Sie über Ihr Mobiltelefon aktuelle Ankunftszeiten, Angaben zur Verfügbarkeit von freien Sitzplätzen, die erwartete Reisezeit und alternative Strecken.
Der Stellenwert des Mobiltelefons
Sie können nicht ohne Ihr Mobiltelefon leben? Warten Sie ab!
In den nächsten fünf Jahren
wird sich Ihr Mobiltelefon zum Bankangestellten, Broker, Hausmeister,
Einkaufsberater und Gerätemanager (siehe hierzu auch Abschnitt 3)
entwickeln. Mit
anderen Worten: zu Ihrem ständigen Begleiter.
Ihre Freunde haben keine Zeit für einen Einkaufsbummel? Kein Problem. Sie können natürlich weiterhin während Ihres Einkaufs Kurznachrichten austauschen, Ihren Freundeskreis aber auch mit in den Einkaufsbummel einbinden. Diese Technologie bietet Ihnen die Möglichkeit, ein Foto von einer Person mit besonders coolem Outfit zu machen und im Internet nach dem jeweiligen Modedesigner und dem nächstgelegenen Geschäft zu suchen, in dem Sie diese Kleidung kaufen können. Über eine 3D-Darstellung Ihrer Person auf Ihrem Mobiltelefon können Sie außerdem anzeigen, wie Sie selbst in dieser Kleidung aussehen würden. Sie können dann Ihre Freunde bitten, sich dieses Bild online anzuschauen und ihre Meinung zu äußern. Beim Betreten eines Geschäfts kann Ihnen Ihr Mobiltelefon den Weg zu den gewünschten Kleidungsstücken zeigen und Sie dabei auf die für Sie interessanten Preisnachlässe aufmerksam machen.
Ebenfalls in Entwicklung:
- In Singapur bringen CASSIS International und IBM auf Bahnhöfen und an Bushaltestellen ein "Smart Poster Management System" als Pilotprojekt auf den Weg. Der Kunde muss dabei lediglich sein Mobiltelefon an ein "Smart Poster" halten, um Informationen zu erhalten, Serviceleistungen in Anspruch zu nehmen und Transaktionen durchzuführen (z. B. den Kauf von Kinokarten).
Weitere Informationen
Energiemanagement
Den Wandel vorantreiben

