SPRECHER: Der Supercomputer wurde für die National Nuclear Security Administration im Department of Energy (US-amerikanische Atomsicherheitsbehörde im Energieministerium) entwickelt. Er wird im Los Alamos National Laboratory in New Mexico untergebracht.
Die Hauptaufgabe des Supercomputers wird sein, die Sicherheit und Zuverlässigkeit des US-Atomwaffenarsenals ohne die Durchführung von Atomwaffentests zu garantieren. Dies geschieht durch komplexe Atomwaffenberechnungen, die den Wissenschaftlern die kritischen Daten liefern.
Bijan Davari, VP Next Gen. Computing Systems, IBM Fellow:
Diese Ankündigung bedeutet einen Meilenstein im High-Performance-Computing, denn die Rechenkapazität erreicht Petaflop-Dimensionen.
Dr. Donald Grice, Chief Engineer, IBM: Der Supercomputer ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen IBM und dem Los Alamos National Laboratory – er ist der größte Computer, den die Welt jemals gesehen hat. Er erreicht 1,5 Petaflops und damit die dreifache Leistung des zurzeit leistungsfähigsten Systems. Seine Hybrid-Architektur macht es möglich, wissenschaftliche Berechnungen anzustellen, die zuvor undenkbar waren.
David Turek, VP Deep Computing, IBM: Das Supercomputer-Projekt in Los Alamos ist in der Tat die erste wirkliche Umsetzung des so genannten Hybrid-Computing. Den Kern bilden ganz konventionelle Mikroprozessoren von AMD, die in normalen Laptops und Servern zu finden sind.
Diese werden jedoch von einer großen Anzahl von Chips umgeben, der so genannten Cell-Broadband-Engine. Diese Art von Chip findet man beispielsweise in der Sony PlayStation 3.
DAVARI: Ein wichtiger Grund für den Einsatz von Cell-Chips im Supercomputer ist, dass sich in jedem Cell-Chip acht Kerne befinden, die als so genannte Vektor-Engines eine enorme Rechenkapazität erreichen können - Kapazität für die Art von Programmen, die auf dem Supercomputer laufen.
GRICE: Das Supercomputer-Gehäuse entspricht einer Kapazität von 1000 konventionellen PCs.
John Morrison, Los Alamos National Lab: Der Supercomputerwird so leistungsfähig sein, dass wahrscheinlich erstmalig mehrdimensionale wissenschaftliche Simulationen gefahren werden können. Darüber spricht man zwar im High-Performance-Computing-Bereich schon seit einigen Jahren, mit dem Supercomputer haben wir eine Maschine, die diese mehrdimensionalen Simulationen tatsächlich durchführen kann.
GRICE: Der Supercomputer erlaubt das Skalieren in einer energie- und raumsparenden Weise. Diese Dimensionen wurden bis heute noch nie erreicht. Was wir jetzt brauchen, sind Visualisierungsmöglichkeiten, die der Größenordnung dieser Simulation entsprechen.
Unter Visualisierung ist die Fähigkeit zu verstehen, die Ergebnisse der Experimente, die auf dem Supercomputer durchgeführt werden, in bewegtem oder nicht bewegtem Bild oder auch in dreidimensionaler Grafik tatsächlich zu visualisieren.
Mehr und mehr Unternehmen interessieren sich mittlerweile dafür, wie sie High-Performance-Computing für sich nutzen können. Zum Beispiel im pharmazeutischen Bereich: Wir können jetzt simulieren, wie Medikamente im Körper wirken. Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ist die Bildverarbeitung in der Medizin.
Außerdem haben wir festgestellt, dass sich auch Banken und die Börse sehr interessiert an High-Performance-Computing zeigen. Mit dem Supercomputer kann nämlich simuliert werden, was auf den internationalen Märkten passiert.
DAVARI: Der große Vorteil von IBM ist, dass wir in der Lage sind, hunderte von technischen Experten weltweit zur Verfügung zu stellen. Diese arbeiten in allen erdenklichen Bereichen der Softwareentwicklung, Gehäusekonzeption, Kühltechnologie und des Systemaufbaus, so dass gemeinsame Probleme gemeinsam gelöst werden können. Es findet eine Zusammenarbeit von Systemexperten statt, die die Chips bauen und die Blades konstruieren und alles in einer Weise verknüpfen, die diese bahnbrechende Leistungsfähigkeit möglich macht.