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Eine Frischzellenkur für das Gesundheitssystem

Ein teures und marodes System

Steigende Kosten sind ein weltweites Problem
Die öffentlichen Ausgaben für das Gesundheitswesen sind in allen OECD-Staaten nahezu doppelt so schnell gestiegen wie das wirtschaftliche Wachstum.4 In Ontario, Kanadas bevölkerungsreichster Provinz, wird der Anteil der staatlichen Ausgaben für das Gesundheitswesen im Jahr 2011 bei 50 % liegen, im Jahr 2017 bei zwei Drittel und im Jahr 2026 bei 100 %5.

In China können sich trotz der erfolgreichen wirtschaftlichen und sozialen Reformen des Landes in den vergangenen 25 Jahren 39 % der ländlichen und 36 % der städtischen Bevölkerung keine professionelle medizinische Behandlung leisten.6

Fünf Gründe für das veränderte Gesundheitssystem von heute

1. Ein verändertes Krankheitsbild

"Chronische Krankheiten nehmen weltweit drastisch zu."
- Dr. Ron Paulus, Chief Technology and Innovation Officer, Geisinger Health System End Background

Chronische Krankheiten sind der Grund für etwa 60 % der jährlich insgesamt 58 Millionen Todesfälle. Dies ist für alle Gesellschaften weltweit eine enorme wirtschaftliche Belastung.7

75 % der finanziellen Mittel im Gesundheitswesen der Industrienationen müssen für Patienten mit chronischen Krankheiten aufgebracht werden.8

Die starke Zunahme chronischer Krankheiten ist auch in Entwicklungsländern ein wichtiger Faktor. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass im Jahr 2020 chronische Krankheiten die Ursache für zwei Drittel aller Todesfälle in Indien sind. Die Einkommensverluste durch Herzkrankheiten, Schlaganfälle und Diabetes werden in China in den nächsten zehn Jahren auf 550 Milliarden US-Dollar geschätzt.9

Gleichzeitig breiten sich in Entwicklungsländern immer noch Infektionskrankheiten aus – und zwar nicht nur bereits bekannte, sondern auch neue Krankheiten, wie z. B. eine gegen mehrere Arzneimittel resistente Form der Tuberkulose.

2. Demografische Faktoren
Übergewicht
Es gibt weltweit mehr übergewichtige als untergewichtige Menschen. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2005 etwa 1 Milliarde Menschen übergewichtig waren. Bis zum Jahr 2015 sollen etwa 1,5 Milliarden Menschen übergewichtig sein.10

In zehn der 30 Mitgliedsstaaten der OECD gelten mehr als 50 % der Erwachsenen als übergewichtig.

Grafik: Übergewichtige weltweit im Jahr 2005
Grafik: Prognose Übergewichtige weltweit im Jahr 2015

Überalterung
Bis zum Jahrtausendwechsel gab es immer mehr junge als alte Menschen. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends wird es erstmals mehr alte als junge Menschen geben. Eine Folge davon wird sein, dass es nicht genügend junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt gibt, die das Auskommen der älteren Generation erwirtschaften.

3. Neue medizinische Technologien und Behandlungsmethoden
Molekulardiagnose, Pharmacogenomik, regenerative Medizin und andere Technologien verändern die Art und Weise, wie Krankheiten diagnostiziert und behandelt und Risiken beurteilt werden. Um von diesen neuen Möglichkeiten profitieren zu können, bedarf es hochentwickelter IT-Lösungen.

4. Verhalten von Patienten

"Der Durchschnittsbürger verbringt mehr Zeit für den Kauf eines neuen Fernsehgeräts als für die Wahl seines Hausarztes ... diese Einstellung ändert sich allmählich."
-Dan Pelino, General Manager für IBM Global Healthcare and Life Sciences „Patienten werden wie Verbraucher handeln und sich informieren, sich nach Alternativen umschauen und die Kontrolle über ihre eigene Gesundheitspflege übernehmen.“


5. Globalisierung
Der stärkere Wettbewerb aus dem Ausland zwingt den Staat in einigen Fällen dazu, Personal anstatt im Gesundheitswesen in anderen Bereiche einzusetzen. Die Bereitstellung medizinischer Versorgung verlagert sich damit von einer lokalen und regionalen Ebene auf eine nationale und weltweite Ebene.

Innovative responses to critical conditions

Dänemarks Einwohner managen ihre Gesundheit online
Im Jahr 2001 führte die dänische Regierung das Sundhed Public Healthcare Patient-Portal (www.sundhed.dk) ein. Mit diesem Portal sollten Patienten besser in das Gesundheitssystem eingebunden, die Lebensqualität von Patienten verbessert und die Kosten im Gesundheitswesen gesenkt werden.

Das Portal bietet unter anderem die Möglichkeit, Arzttermine festzulegen und online mit Anbietern von Gesundheitsleistungen zu kommunizieren. Patienten können auf ihre Krankenakten zugreifen, in denen z. B. Informationen zu Krankenhausaufenthalten bis zurück zum Jahr 1977 enthalten sind.

Über das Portal kann darüber hinaus der Verlauf chronischer Krankheiten, wie z. B. Diabetes, von Fachpersonal und Patienten gleichermaßen überwacht werden. Dadurch ist selbst bei den komplexen Strukturen im heutigen Gesundheitssystem eine kontinuierliche Pflege gewährleistet.

Sie müssen zum Arzt? Nehmen Sie doch das Flugzeug
Der medizinische Tourismus mit Arztbesuchen, Operationen und Zahnbehandlungen im Ausland führt dazu, dass sich Anbieter von Gesundheitsleistungen dem globalen Wettbewerb stellen müssen.

In Indien werden derzeit jährlich etwa 150.000 Patienten aus dem Ausland behandelt, 14 in Singapur etwa 375.000.15 Allein im Bumrungrad Hospital in Thailand werden pro Jahr etwa 350.000 Patienten aus 150 verschiedenen Ländern behandelt.16 Der medizinische Tourismus ist aber beileibe nicht nur auf Asien begrenzt. Schätzungen gehen davon aus, dass auf diesem Markt in Europa etwa 1 Mrd. Euro (1,3 Mrd. US-Dollar) umgesetzt werden.17

Beispielpreise für chirurgische Behandlungen, 2006

Das Gesundheitssystem im Jahr 2015: Die IBM Vision für die Zukunft
Wir sind davon überzeugt, dass sich die Zukunft der Gesundheitssysteme positiver darstellt. Dies erfordert einen neuen Grad der Verantwortlichkeit, schwierige Entscheidungen und das Zusammenwirken aller Beteiligten.

Insbesondere Folgendes muss gegeben sein:

  • Anbieter von Gesundheitsleistungen verlagern den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit von unregelmäßigen, akuten Behandlungen auf die bessere Behandlung chronischer Krankheiten und die lebenslange Vorsorge.
  • Patienten übernehmen Verantwortung für ihre Gesundheit und für den maximalen Nutzen, den ihnen das Gesundheitssystem bieten kann.
  • Krankenkassenleistungen tragen dazu bei, dass die Beitragszahler gesund bleiben, einen größeren Nutzen aus dem Gesundheitssystem ziehen und Anbieter von Gesundheitsleistungen dabei unterstützen, hochwertigere Leistungen anzubieten.
  • Lieferanten arbeiten mit Anbietern von Gesundheitsleistungen, Ärzten und Patienten bei der Entwicklung von Produkten zusammen, die bessere Resultate liefern und die Kosten verringern.
  • Die Gesellschaften treffen realistische und vernünftige Entscheidungen im Hinblick auf Erwartungen an den Lebensstandard, ein gesundheitsbewusstes Verhalten und die Frage, inwieweit Gesundheit ein gesellschaftliches Recht oder ein Marktservice ist.
  • Die Regierungen schaffen die erforderlichen Rahmenbedingungen, um Hindernisse abbauen, Innovationen fördern und zukunftsfähige Lösungen entwickeln zu können.

Wenn alle Beteiligten bei der Reform des Gesundheitssystems zusammenarbeiten können, wird die Gesundheit zu einem nationalen Gut und nicht zu einer Pflicht. Die Bürger leben wiederum gesünder und arbeiten produktiver. Die Länder können im globalen Wettbewerb im Gesundheitswesen durchaus mithalten.

1. Employee Benefit Research Institute (EBRI Notes), November 2006

2. Quellen: Weltgesundheitsorganisation (WHO), 2000. The World Health Report 2000: health systems: improving performance. Genf: Weltgesundheitsorganisation; Christine Borger, Sheila Smith, Christopher Truffer, u. a. 2006. Health spending projections through 2015: changes on the horizon. Health Affairs (22. Februar): W61-W73, http://content.healthaffairs.org/cgi/content/abstract/hlthaff.25.w61 (aufgerufen am 1. Juni 2006). OECD (Organisation for Economic Cooperation and Development), 2006. OECD-Gesundheitsbericht 2006: Statistik und Indikatoren für 30 Länder (15. Ausgabe). Paris: OECD Publishing.

3. Center on Budget and Policy Priorities, 29. April 2006 http://www.cbpp.org/8-30-05health.htm

4. OECD (Organisation for Economic Cooperation and Development), 2005. OECD-Gesundheitsbericht 2005: Statistik und Indikatoren für 30 Länder (Ausgabe 2005). Paris: OECD Publishing.

5. Skinner, Brett J. 2005. Paying more, getting less 2005: measuring the sustainability of provincial public health expenditure in Canada. Vancouver: The Fraser Institute, http://www.fraserinstitute.ca/admin/books/files/PayingMoreGettingLess2005.pdf(aufgerufen am 1. Juni 2006).

6. Ando, Gustav 2004. Über ein Drittel der Bevölkerung in China kann sich keine medizinische Behandlung leisten (nach einer täglichen Analyse des World Markets Research Centre vom 23. November).

7,9. Weltgesundheitsorganisation (WHO), 2005. Preventing chronic disease: a vital investment. (Genf, Weltgesundheitsorganisation)

8. Centers for Disease Control and Prevention, 2003. The power of prevention: reducing the health and economic burden of chronic disease. Atlanta: Department of Health and Human Services, Centers for Disease Control and Prevention.

10. Mike Beckham und Richard Dale, Directors, 2005. Rx for survival - a global health challenge WGBH/NOVA Science Unit and Vulcan Productions, Inc.

11. Andrew Grice 2006. Private firms to supply GP services in deprived areas. The Independent, 30. Januar: 30.

12,13. Eine Analyse von IBM Global Business Services und des IBM Institute for Business Value.

14. Amelia Gentleman, 2006. India's healthy appeal: modern (and cheap) services promoted. International Herald Tribune, 30. August,. http://www.iht.com/articles/2006/08/30/yourmoney/med.php (aufgerufen am 1. September 2006)

15. Singapore Medicine, General News, http://app.singaporemedicine.com/asp/new/new0201b.asp?id=1 (aufgerufen am 1. Juni 2006).

16. Bumrungrad Hospital. Fact sheet. http://www.bumrungrad.com (accessed 1 June 2006).

17. Williamson, Hugh. 2005. Medical tourism keeps hospital budgets healthy. Financial Times 1 March.


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