In Indien werden in den nächsten 20 Jahren 400 Millionen Menschen neue Wohnungen benötigen - das sind mehr Immobillien, als in den USA seit dem zweiten Weltkrieg gebaut wurden. In Italien existieren immer weniger Familien mit Kindern. Es ist ein Massenexodus im Gange.
Aufgrund der Verlagerung der Industriearbeitsplätze aus den USA ins Ausland, wird ein Überschuss an Fachkräften im Inland deutlich. Ganze Städte, die ausschließlich für die Fertigungsbranchen gebaut wurden, existieren nicht mehr.
Regierungen auf der ganzen Welt haben die Wahl: entweder sie sind passiv und Veränderungen bestimmen, wie sich die Situation ihrer Länder verändert oder sie entgegnen diesen Veränderungen mit effektiven Strategien, um das Leben ihrer Bürger zu verbessern, ihre Interessen zu schützen und ihr internationales Profil zu schärfen.
Die Einflussfaktoren für Veränderungen
Welches sind diese unausweichlichen Faktoren?
Das IBM Institute for Business Value (IBV) hat sechs unausweichliche Einflussfaktoren ermittelt, die in den nächsten zehn Jahren Veränderungen im öffentlichen Sektor weltweit bewirken werden. Diese Faktoren bieten sowohl Chancen als auch Risiken. Doch so allgemeingültig sie auch sind, sie verlangen individuell abgestimmte Maßnahmen seitens einzelner Länder, Regionen oder Standorte. Diese Faktoren lassen sich wie folgt darstellen/beschreiben:
- Demografische Veränderungen: In Industriestaaten steigt das Durchschnittalter an, während es in Schwellenländern wie Indien sinkt. Was bedeutet das für Dienstleistungen, Bildung und Infrastruktur?
- Schnellere Globalisierung: Nationen werden über soziale, politische und kulturelle Grenzen hinweg wirtschafltich immer stärker voneinander abhängig. Kapital, Rohstoffe, Fertigerzeugnisse, Arbeit und Arbeitskräfte werden heute in zuvor unabhängige Wirtschaftseinheiten verlagert. Wer sind Gewinner und Verlierer dieser Entwicklung?
- Wachsende Sorge um die Umwelt: Regierungen beschäftigen sich zunehmend mit der Frage des Umweltschutzes. "Grüne Themen" sind plötzlich zu einem einflussreichen Faktor globaler Politik geworden. Wie wirkt sich dies auf staatliche Programme und das Wachstum aus?
- Neu entstehende gesellschaftliche Beziehungen: Wie können Regierungsbehörden jederzeit und überall sichere, geschützte Dienstleistungen für Unternehmen, Bürger und sogar andere Regierungen bereitstellen?
- Wachsende Gefahren für die soziale Stabilität und Ordnung: Terroranschläge, bewaffnete Konflikte, Pandemien oder Naturkatastrophen: das Wesen der Bedrohungen verändert sich. Wie können Regierungen die gravierenden und häufig lang anhaltenden Folgen unzureichender Vorbereitungen und Maßnahmen vermeiden?
- Zunehmender Einfluss der Technologie: Die Nutzung des Internets verändert das Umfeld von Wirtschaft, Gesundeitswesen und Regierung. Wie wirkt sich das auf den Datenschutz und den Zugriff auf Daten aus?
Die Notwendigkeit der Zusammenarbeit
Wie kann die Welt zusammenarbeiten?

Auf Basis von mehr als zwei dutzend Studien mit Experten aus dem Gebiet des öffentlichen Sektors hat das IBM Institute for Business Value den wirksamsten Ansatz für den Umgang mit diesen sechs Einflussfaktoren ermittelt: eine Taktik der permanenten Zusammenarbeit, die auf mehreren Ebenen abläuft und in mehrere Richtungen geht – ein Framework vertiefter Verbindungen und der intensiveren Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Behörden, Regierungen und Gesellschaften.
In der Wirtschaft hat sich diese Zusammenarbeit als zentrales Thema und erforderliche Kompetenz erwiesen. Dieses Framework für die Zusammenarbeit kann auch Regierungen dabei helfen, Bürger und Partner stärker einzubeziehen, wenn es um das Erreichen großer Ziele und die deutliche Verbesserung der Lebensqualität aller Beteiligten geht.
Politik für Menschen mit Menschen
Organisation, Kultur und Leitung
Regierungen müssen die Art und Weise ändern, wie sie öffentliche Aufgaben erledigen. Kommunikation, Messkriterien und Transparenz sind entscheidend für Bürger, Partner und Behörden für die Einführung neuer Politik.
SCHWEDEN sorgt für fließenden Verkehr mit einem bidirektionalen Dialog
Genau wie andere Städte hatte auch Stockholm mit Staus und Autoabgasen zu kämpfen, die zu schlechter Luft und langen Fahrtzeiten für Pendler führten. Stockholm entschied sich für ein City-Maut-System, das Fahrzeuge bei der Fahrt in oder aus bestimmten Zonen erfasst. Die Stadtverwaltung verfolgte einen sehr proaktiven, kooperativen Ansatz bei der Entwicklung, Bewertung und Umsetzung des Systems.
Zunächst stimmte der Stadtrat für eine Erprobung des Mautsystems für die Dauer von sieben Monaten. In diesem Zeitraum wurden Vergleichswerte festgelegt, anhand deren über den Erfolg oder Misserfolg der Lösung entschieden werden sollte. Neun Umfragen unter mehr als 10.000 Bürgern wurden durchgeführt, um Zeiten, Zahlung und Informationskanäle zu beurteilen. Die Ergebnisse der 7-monatigen Pilotphase konnten sich sehen lassen: Das Verkehrsaufkommen ging um 25 Prozent zurück, die Zahl der Personen, die öffentliche Verkehrsmittel benutzten, stieg um 40.000 pro Tag und der Ausstoß von Treibhausgasen verringerte sich um 40 Prozent. Nachdem das schwedische Parlament 2007 einem dauerhaften Einsatz des Mautsystems zugestimmt hatte, gaben auch die Wähler in einem Referendum grünes Licht.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Partnerschaft, Vermittlung und Austausch
Wie können Regierungen zusammenarbeiten, um Hürden bei Handel, Sicherheit oder Einwanderung zu überwinden? Immer mehr Gemeinschaftsprojekte von internationalen und übernationalen Organisationen und Foren bieten grenzüberschreitende Unterstützung und Ressourcen an. Dazu gehören die Europäische Union, die Weltgesundheitsorganisation und die internationale Luftfahrtbehörde.
CHINA nutzt zentrales Fenster, um dem Handel Türen zu öffnen
Mit 41 Zollgebieten, 562 Zollämtern und mehr als 48.000 Zollbeamten verwaltete China sein enormes Handelsaufkommen. Dabei wurden unterschiedliche und voneinander isolierte Systeme eingesetzt, die nur selten Informationen austauschten.
Um eine sichere Umgebung zu erhalten, die außerdem den enormen Umfang des internationalen Handels unterstützen sollte, wurde „China E-Port“ entwickelt, ein zentrales Extranet für die Vernetzung der chinesischen Zollbehörden und der für öffentliche Sicherheit, Bahnverkehr, Handel, Quarantäne, Devisen und Banken in den Häfen verantwortlichen Stellen.
Die chinesischen Zollbehörden testeten, verfeinerten und vereinbarten die Grundsätze für die Vereinfachung von Lieferketten zwischen Asien und Europa, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf Containern lag, die zwischen China und den Niederlanden und Großbritannien verschifft wurden.
Das Ende von Einheitsprogrammen
Personalisierte Interaktion und Services
Weltweit sind die Bürger frustriert aufgrund von Behörden, deren Systeme auf einzelnen Programmen und Services basieren, jeweils mit eigenen Abteilungen, Systemen und Protokollen. Die Menschen wünschen sich Services, die ihren Anforderungen gerecht werden und einfach eingesetzt werden können, sowie schnellen Zugriff auf Informationen. Sie wollen in der Lage sein, Services auf eine Vielzahl verschiedener Arten zu erhalten: persönlich in einem Service-Center, online oder per Telefon. Kurz gesagt: Sie wünschen sich schnellen Service aus einer Hand über nur einen Anruf, Mausklick oder Vor-Ort-Besuch.
KANADA bietet Online-Services mit persönlicher Note
Kanada gab 1997 bekannt, dass es zu dem am besten vernetzten Land weltweit werden wolle. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, wurde 2005 „Service Canada“ eingerichtet, ein zentrales, integriertes, über mehrere Kanäle erreichbares Service-Center für eine breite Palette an Programmen und Leistungen der kanadischen Bundesregierung. Der Zugang zu allen Programmen ist persönlich (in mehr als 300 Geschäftsstellen in ganz Kanada), telefonisch (mit über 50 Mio. Anrufen pro Jahr) oder per Internet (mit mehr als 14 Mio. Websitebesuchen pro Jahr) möglich.
Die Ergebnisse von Service Canada sind positiv:
- Schaffung eines bürgerorientierten Netzwerks für die Bereitstellung dutzender von Programmen, darunter Bildung, Beschäftigung, Wohnungswesen und Rechtshilfe
- Erweiterte Servicestellen im ganzen Land, insbesondere im Norden und in abgelegenen Gemeinden
- Aufbau von Partnerschaften mit anderen Regierungsebenen und kommunalen Dienstleistern zur besseren Integration von Services für die Kanadier.
Überleben der Klügsten
Wissensaufbau und -austausch
Das U.S. Bureau of Labor Statistics (die US-Bundesbehörde für Arbeitsmarktstatistiken) gab bekannt, dass zwischen 2004 und 2014 der Anteil älterer Arbeitskräfte den jüngerer Arbeitnehmer bei weitem übersteigen wird. Die älter werdende Erwerbsbevölkerung erfordert neue Modelle der Beschäftigung und des Wissensaustauschs, z. B. Mentoring-Programme für die nächste Generation, flexible Arbeitszeitmodelle und Fortbildungsmöglichkeiten für ältere Arbeitnehmer.
PENNSYLVANIA denkt anders über ältere Fachkräfte
Mit der Entstehung neuer Industriemodelle sah sich der US-Bundesstaat Pennsylvania wachsendem Wettbewerbsdruck und Arbeitsplatzabbau gegenüber. Pennsylvania verfügt jedoch über eine große Zahl an qualifizierten Arbeitskräften sowie intellektuellen und technologischen Ressourcen – und hat eine dauerhafte Förderung eingerichtet, um Unternehmen zu halten und zu weiterem Wachstum zu bewegen. Viele der von Pennsylvania eingeführten Initiativen, dienen in den gesamten USA als Modell für die wirtschaftliche Entwicklung, darunter folgende:
- Ben Franklin Technology Partners – vereint die besten Denker, Ideen und Technologien aus ganz Pennsylvania, um die wissensbasierte Wirtschaft des Staates voranzubringen.
- Pittsburgh Digital Greenhouse – ist ein öffentlich-privates Konsortium, dem örtliche Unternehmen und staatliche Universitäten angehören. Dieses Konsortium fördert die IT-Industrie in Südwesten von Pennsylvania.
- Keystone Innovation Zones – bringt Colleges, Universitäten und weitere Bildungseinrichtungen, die nach dem High-School-Abschluss besucht werden, mit örtlichen Unternehmen und Organisationen für die wirtschaftliche Entwicklung zusammen. Das Ziel besteht darin, die Regionen im Umkreis dieser Bildungseinrichtungen dazu zu bewegen, Chancen für Unternehmer für die Gründung und den Ausbau von Unternehmen zu schaffen.
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