
Die IBM Deutschland Research & Development GmbH mit Sitz in Böblingen ist eines der größten Forschungs- und Entwicklungszentren der IBM weltweit. Seit seiner Gründung 1953 entstehen südlich von Stuttgart Soft- und Hardwaretechnologien für den Weltmarkt. Im globalen Verbund mit den mehr als 60 Forschungs- und Entwicklungszentren der IBM arbeiten vor Ort in Böblingen und am Standort Mainz rund 2.000 Informatiker, Elektroingenieure und Physiker in über 40 Projekten. Ihr Fokus liegt in der Entwicklung der nächsten Generationen von Mikroprozessoren, Großrechnern und Supercomputern sowie Unternehmenssoftware zur Steuerung von Geschäftsprozessen. Daneben ist Böblingen eines der weltweit größten Linux- und SAP-Integrationzentren der IBM. Das Forschungs- und Entwicklungszentrum pflegt zahlreiche Kooperationen mit Hochschulen und Forschungsinstituten. Damit wird ein ständiger Wissenstransfer zwischen Industrie und Wissenschaft gewährleistet. Ein Kundenzentrum mit jährlich mehr als 4.000 Besuchern bietet darüber hinaus die Plattform für den Informationsaustausch zwischen Forschern, Entwicklern, Kunden und IBM Business Partner.
Forschung und Entwicklung made in Böblingen
Das Böblinger Forschungs- und Entwicklungszentrum besitzt eines der größten und vielfältigsten Entwicklungsportfolios für Informationstechnologie (IT) innerhalb der IBM.
Softwaretechnologien
Die IBM Entwickler in Deutschland arbeiten an Technologien für die IBM Software Group Produktgruppen WebSphere, Lotus, Information Management und Tivoli. Diese so genannte Middleware dient in Unternehmen dazu, Daten und Informationen zwischen unterschiedlichen Anwendungen und IT-Infrastrukturen auszutauschen und zu steuern. Zu diesen Aufgaben gehört auch die Optimierung der Ressourcen in Rechenzentren. Die Böblinger Experten entwickeln dafür Virtualisierungs- und Automationstechnologien unter anderem für das IBM-Konzept der nächsten Generation von Rechenzentren (New Enterprise Data Center) sowie Cloud Computing, einer IT-Infrastruktur, die es Unternehmen und Konsumenten ermöglichen soll, ihre Informationstechnologie bedarfsgerecht von Anbietern zu beziehen, ohne sich mit den zu Grunde liegendenden Technologien befassen zu müssen. Neben der effektiven Nutzung der IT-Ressourcen ist die Verknüpfung der verschiedenen Unternehmensanwendungen entscheidend für die Flexibilität und damit die Wettbewerbsfähigkeit für Unternehmen. Diese Verknüpfung ermöglicht die IBM WebSphere Produktfamilie auf Basis einer Service Oriented Architecture (SOA). SOA bietet die Möglichkeit, Softwarekomponenten für unterschiedliche Unternehmensprozesse immer wieder flexibel einzusetzen und damit Kosten und Zeit einzusparen. Die Expertise der Böblinger Teams liegt dabei auf Business Integration und Process Management sowie dem Thema Produktivität von Organisationen in der neuen Arbeitswelt. Das sind zum einen Web Portal-Technologien, die auf die Bedürfnisse und Aufgaben der Nutzer individuell zugeschnitten werden können oder Web 2.0 Technologien wie sie Lotus Software beispielsweise für den Erstellung von Mashups – also der Erstellung neuer Medieninhalte durch die einfache Kombination bereits vorhandener Inhalte, anbietet. Diese Softwareprodukte erlauben einfacheren, schnelleren und gleichzeitig verbesserten Informationsaustausch zwischen Mitarbeitern eines oder mehrerer Unternehmen. Damit kann das Wissen und die Erfahrung der Nutzer besser und schneller dargestellt, aufbereitet und ausgetauscht werden. Darüber hinaus erarbeitet eine Gruppe von Böblinger Experten Kundenlösungen auf Basis von Radio Frequency Identification Technologie (RFID).
Wenn IT-Ressourcen optimal genutzt und Unternehmensprozesse flexibel mit Anwendungen verknüpft werden können, bildet die in Echtzeit erfolgte Integration und exakte Analyse der im Unternehmen vorhandenen Informationen aus den unterschiedlichsten Datenquellen einen Ansatz, um auf Basis der tatsächlich vorhandenen Daten und Informationen strategische Entscheidungen zu treffen. Für das Produktportfolio von IBM Information Management Software entwickeln Teams aus Böblingen Technologien zur Datensuche, -analyse und – pflege.
Die deutschen Experten arbeiten zudem in einigen Technologiebereichen eng mit SAP zusammen. So investiert das Unternehmen erheblich in die Anpassung von IBM Server-, Storage- und Datenplattformen sowie IBM Middleware an SAP-Produkte. Diese Arbeit leistet das in Böblingen ansässigen SAP Technology Integration Center. Ziel ist dabei, Kunden eine optimale Informationstechnologie vom Großrechner über die entsprechende Middleware bis hin zu SAPAnwendungen anbieten zu können.
Großrechner, Firmware, Prozessoren und Supercomputer
Das deutsche Entwicklungsteam ist eines der weltweit führenden Teams in der Entwicklung von Großrechnersystemen und Hardware- Komponenten. Die Böblinger Experten entwickeln unter anderem das Systemdesign für die IBM System z Großrechner auf Basis der S/390- Architekur, dem weltweit zuverlässigsten und sichersten Großrechner für unternehmenskritische Datentransaktionen. Die Böblinger Spezialisten verantworten zudem die Entwicklung der System z und Virtualisierungstechnologie sowie Systems Management für Großrechner. Darüber hinaus stammen auch Technologien für andere IBM Plattformen wie System i und System p aus Böblingen.
Ein weiterer Bereich ist die Firmware-Entwicklung. Hier werden hauptsächlich Firmware-Komponenten für System z entwickelt, die das System initialisieren, konfigurieren und für einen Non-Stop-Betrieb im Fehlerfall wie auch bei Systemerweiterungen sorgen. Das System z erreicht dadurch eine Verfügbarkeit rund um die Uhr.
Auch die Entwicklung von Mikroprozessoren findet nahe Stuttgart statt: In einem ASIC (Application Specific Integrated Circuit) Design Center werden für Kunden individuelle Chips entwickelt. Unter Böblinger Beteiligung entstanden in den letzten Jahren auf Basis der IBM PowerPC-Architektur Prozessoren, die zu den schnellsten ihrer Klasse gehörten. Zudem arbeiteten eine Reihe von deutschen Entwicklern gemeinsam mit Sony und Toshiba am Cell/B.E. Prozessor für die Sony Playstation3. Der Prozessor ist für Darstellung hoch komplexer Grafik und rechenintensiver wissenschaftlicher Anwendungen optimiert. Eine Weiterentwicklung des Cell stammt ebenfalls aus Böblingen und ist Kernstück des so genannten Cell/B.E. Blade Servers, der die Kernbausteine des weltweit momentan schnellsten Supercomputer am Forschungszentrum Los Alamos National Laboratories in USA bilden.
Gerade auf dem Gebiet der IBM Blade-Technologie auf Cell/B.E. konnte das Böblinger Team in den letzten Jahren mit einer Reihe von Innovationen aufwarten. So arbeitet das Team momentan an einem neuartigen Supercomputer auf Cell-Basis für Forschungen in der Quantenphysik mit deutschen und italienschen Universitäten sowie Forschungszentren.
Open Source-Kompetenz
Auch das Thema Open Source ist in Böblingen zu Hause: Die Schwaben tragen mit einem Team von mehr als achtzig Experten für IBM die weltweite Verantwortung für das freie Betriebssystem Linux und Linux Systems Management auf allen IBM-Plattformen. Viele der Linux- Experten arbeiten mit der Open Source-Gemeinde auch am so genannten Linux Kernel, dem Kernstück des Betriebssystem und stellen ihre Arbeit zur Verbesserung von Linux kostenlos zur Verfügung. Gleichzeitig befindet sich im deutschen Forschungs- und Entwicklungszentrum eines der weltweit sechs Linux Integration Center der IBM, die technische Unterstützung für Kunden und Geschäftspartner anbieten. Damit ist das Böblinger Forschungs- und Entwicklungszentrum eines der weltweit größten Linux Center der IBM.
Kundenprojekte
Neben den klassischen Entwicklungsprojekten gewinnt die unmittelbare Zusammenarbeit mit Kunden zunehmend an Bedeutung. Dabei bildet das IBM Technical Marketing Competence Center Europe (TMCC) in Böblingen und Mainz das Bindeglied zwischen Kunden, Vertrieb und den jeweiligen Entwicklungsteams. Jährlich finden hier circa tausend Veranstaltungen statt, in denen Kunden zu aktuellen IT-Themen umfassend informiert und bis hin zu Implementierungsfragen beraten werden. Das Böblinger Entwicklerteam arbeitet darüber hinaus eng mit Kunden zusammen, um das Potential von virtuellen Welten und Web 2.0- Technologien für Unternehmen aller Branchen auszuloten.
Einen weiteren Fokus in der Zusammenarbeit mit Kunden bildet die enge Zusammenarbeit mit dem weltweiten IBM Vertrieb sowie Aktivitäten unter dem Stichwort der so genannten Lab Services. Dabei handelt es sich um Beratung und gegebenenfalls Installationen von zukunftsweisenden Softwaretechnologien von IBM durch Experten, noch bevor diese auf dem Markt generell verfügbar sind. Unternehmen erhalten so die Möglichkeit, frühzeitig von technischen Innovationen zu profitieren und ihren Vorsprung im Wettbewerb auszubauen.
Wirtschaft und Lehre
Das IBM Forschungs- und Entwicklungszentrum pflegt enge Kontakte mit einer Reihe von Lehrstühlen und Forschungseinrichtungen in Deutschland. So wurde beispielsweise mit der Universität Stuttgart im Mai 2008 ein IBM Technology Partnership Center eröffnet, um den Informationsaustausch zwischen Forschung und Wirtschaft zu intensivieren. Darüber hinaus lehren eine Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Fachhochschulen und Universitäten.
IBM Forschung & Entwicklung weltweit
IBM forscht und entwickelt bereits seit mehr als sechzig Jahren auf allen wichtigen Feldern der Informationstechnologie. Jährlich investiert das Unternehmen mehr als sechs Millarden US-Dollar für die Forschungs- und Entwicklungszentren in 15 Ländern auf sechs Erdteilen. Dabei beschäftigen sich die acht Forschungszentren der Corporation in den USA sowie in China, Indien, Israel und der Schweiz mit den Grundlagen zukünftiger Informationstechnologien - von Physik, Mathematik und Chemie bis hin zu Nanotechnologie und Spintronics. Die Forschungs- und Entwicklungszentren hingegen arbeiten stärker produkt- und lösungsorientiert an neuen Technologien im Soft- und Hardware-Umfeld, ohne aber den wissenschaftlichen Ansatz zu vernachlässigen: Alle Zentren arbeiten eng mit führenden Universitäten, Hochschulen sowie wissenschaftlichen Instituten in aller Welt zusammen und gewährleisten so einen ständigen Wissenstransfer zwischen Industrie und Wissenschaft.
IBM Wissenschaftler und Experten übernehmen darüber hinaus aktive und führende Rollen in Open Source-Projekten, Standardisierungs- gremien oder technischen Gremien wie beispielsweise der Linux Community, der International Standard Organization (ISO), OASIS, ECLIPSE oder OpenOffice.org.
