IBM Deutschland Forschung und Entwicklung

IBM Geschichte im Jahr 1970


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Allgemeines

Mitarbeiteranzahl
1500 Mitarbeiter/innen

Hardware

IBM System /370 Modell 125 [1973]
Dieses System verwirklichte zum ersten Mal das Datenflusskonzept: die Modelle 125 und später 115 enthielten mehrere kleine Rechner, die parallel an verschiedenen Aufgaben arbeiteten. Die Leistungsfähigkeit der integrierten Schaltkreise wurde weiter verbessert, so dass es möglich wurde, den ganzen Rechner (Logik und Speicher) mit Halbleitern zu bauen.

IBM System /4331
Weitere Entwicklungen der Technologie und des Datenfluss-Konzepts verbesserten die Leistungskenngrößen gegenüber der IBM /370-125 um den Faktor 10.

IBM Drucker 3202 Modell 5
Aufgrund seines guten Preis-/Leistungs-Verhältnisses stieß dieses Modell weltweit auf große Akzeptanz: insgesamt wurden rund 22000 Stück verkauft. Durch die Anordnung der Druckzeichen auf einer sehr schnell rotierenden Kette konnten 600 bis 1200 Zeilen in der Minute gedruckt werden. 1979 erfolgte der Anschluss an die Kanalschnittstelle IBM /370.

IBM Sparbuchdrucker 3620
Der IBM 3620 war ein vielseitiger Matrix-Drucker, der bei einer Vielzahl von Transaktionen eingesetzt werden konnte. Vor allem im Bereich des Kontodrucks und bei Formularen konnten die beiden Modelle BO1 und B02 mit bis zu 80 Zeichen pro Sekunde ihre Stärken ausspielen.

Software

IBM DOS/VS Release 28 [1973]
Bei Version 28 nahm das Entwicklungszentrum einige funktionale Erweiterungen von DOS vor, weshalb man zunächst den Namen Extended DOS verwendete. Das waren zum Beispiel:

Bei der Einführung des virtuellen Speicher-Konzepts stellten sich den Böblinger Entwicklern eine Reihe von Entwurfsfragen, deren Antworten noch heute ihre Gültigkeit behalten haben.

IBM DOS/VS Release 29 [1974]
Ab Version 29 unterstützte DOS auch die neue Plattenspeicher-Einheit IBM 3340, die intern unter dem Arbeitsnamen Winchester bekannt war. IBM 3340 verwendete eine damals neue Plattentechnik, bei der die Schreib-Lese-Köpfe fest mit dem Datenmodul verbunden waren. Daneben wurde die neue Datenzugriffsmethode VSAM in DOS eingeführt, die in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe setzte:

Dadurch waren die Voraussetzungen für langfristige Datenerhaltung und Datenbank-Anwendungen geschaffen. Innerhalb kürzester Zeit erzielte VSAM eine fast 100-prozentige Akzeptanz bei den Kunden.

IBM DOS/VSE (Virtual Storage Extended) [1978]
Nachdem die Verantwortung für DOS/VS bisher unter Böblingen und Uithoorn (Niederlande) aufgeteilt war, wurde das System-Management nun komplett nach Böblingen verlegt. Eine der wichtigsten Neuerungen war die neue Systembibliothek (System Library), bei der erstmals eine Abgrenzung gegenüber unterschiedlichen Nutzern oder Nutzergruppen und eine Versionskontrolle möglich wurden. Auch in geschäftlicher Hinsicht wurden neue Konzepte eingeführt. So war das Betriebssystem bis dahin ein kostenloser Bestandteil des Rechners gewesen. Nun wurde es aufgespaltet: der SCP-Teil (System Control Program) blieb weiterhin kostenfrei, zusätzliche Funktionen wurden jedoch als Programmprodukte deklariert und als VSE/AF (Advanced Function) verkauft.

Future Systems (FS) [1972 - 1975]
Unter diesem Namen liefen weltweit Entwurfsaktivitäten mit dem Ziel, eine neue Prozessoren-Generation zu schaffen. Bei der sogenannten FS-Architektur sollten wesentliche Funktionen des Betriebssystems in den Mikrocode verlagert werden, um so das Niveau der Rechnerarchitektur zu heben. Eingestellt wurde Future Systems wegen der zu erwartenden Umstellungsschwierigkeiten bei bestehenden Kunden und des anhaltenden Erfolges, den die IBM mit konventionellen Systemen hatte.

Technologie

Riesling Chip
In 1968 erhielt das Entwicklungszentrum den längerfristigen Auftrag für die Entwicklung von integrierten Halbleiterbauelementen. Bald fiel auch die wesentliche strategische Entscheidung, sich vorrangig auf Speicherchips zu konzentrieren. In dieser Zeit vollzog sich auch der technologische Wechsel vom Kernspeicher zum Halbleiterspeicher.

Kernspeicher mit Speicherchip

Kernspeicher mit Speicherchip

64 Bit Speicherchip

64 Bit Speicherchip


Das führte im Jahr 1971 zur Entwicklung und darauffolgend zur Fertigungseinführung des 2048 Bit RIESLING Chips. Dieses Chip markiert in vieler Hinsicht einen Höhepunkt in der Böblinger Technologie Entwicklung. Dieses Chip in n-FET Technologie wurde das Speicherchip, das während des größten Teils der 70-er Jahre in praktisch allen IBM Rechnern den Hauptspeicher bestückte. Das Riesling Chip wurde mit 4 µ-Meter Minimalstrukturen ausgelegt und hatte etwa 15K Transistoren. Zum Vergleich, INTELs erster Microprozessor 4004 , der etwa zur gleichen Zeit vorgestellt wurde, hatte ca. 2k Transistoren.

RIESLING Speicherzelle

RIESLING Speicherzelle

Chip

Chip


DRAM Speicherzelle

Common E IBM hat mit der Erfindung der DRAM Speicherzelle und der Entwicklung darauf basierender Speicher eine Führungsrolle bei der dramatischen Steigerung der Speicherdichte übernommen. Die Böblinger HL Entwicklung hat mit den Produkten der 18 kBit CONCORDE Familie, des 64kBit COMMON_E Chip sowie der Entwicklung eines 256 kBit MÜLLER Chip- Prototypen erfolgreich daran mitgewirkt.

Parallel zu dem Engagement bei FET Speichern hatte eine kleine Entwicklungsgruppe eine neuartiges I²L Schaltkreiskonzept erfunden und darauf basierend verschiedene vielversprechende bipolare Speicherchips entwickelt. Diese Chips zeichneten sich durch große Dichte, schnelle Zugriffszeit und geringer Verlustleistung aus. Es zeigte sich dann allerdings, dass diese Chips sehr schwierig zu produzieren waren. Anfang der 80er Jahre wurden die Cache- und Kontrollspeicher der 4331 Systeme mit den 18k/9k Bit DAVOS/ENZIAN Chips bestückt, die mit diesen I²L Zellen gebaut wurden. Bald danach wurden die I²L basierenden Chips aber von der sich vorteilhafter entwickelnder CMOS Technologie verdrängt.

Logik Chips
Neben den Speicherchips hatte sich stets auch eine Gruppe von Entwicklern im Böblinger Forschungs- und Entwicklungszentrum mit dem Design von Logik Chips beschäftigt. Hier insbesondere mit sogenannten Masterslices . Das waren Chips, die logische Grundbausteine in einem vorgefertigten Raster anboten, welche dann mit geeigneten CAD Programmen unter Verwendung von 2 oder mehr Lagen Metallisierung zu den geforderten logischen Funktionen vernetzt wurden.

Das hierbei erworbene Know How sowie die umfangreichen Erfahrungen mit Schaltkreisen aus der Speicherentwicklung bildeten den Nährboden für den Einstieg in die Microprozessor Entwicklung im Böblinger Entwicklungszentrum in den 80-er Jahren.