IBM Deutschland Forschung und Entwicklung

IBM Geschichte im Jahr 1960


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Allgemeines

Einzug
Anfang 1960 werden die neuen Gebäude auf dem Schönaicher First in Böblingen mit ca. 100 Mitarbeiter/innen bezogen.

Mitarbeiteranzahl
700 Mitarbeiter/innen

Hardware

Software

Beginn der Softwareentwicklung im Entwicklungszentrum [1962]
Als das Böblinger Forschungs- und Entwicklungszentrum 1953 gegründet wurde, sprach noch niemand von Software-Entwicklung. Dennoch wurde bereits knapp zehn Jahre später ein Rechenzentrum eingerichtet, welches Physiker und Elektroniker bei ihrer Arbeit im Entwicklungszentrum unterstützte. Seine Programmierergruppe begann 1962 damit, Software für das in Böblingen entwickelte System/360 Modell 20 zu schreiben. Dabei war der Umfang ihrer Arbeit zunächst durch die damals äußerst knappen Speicherressourcen begrenzt.

Betriebssysteme für IBM /360 Modell 20
Für die verschiedenen Systemkonfigurationen der /360-20 wurden drei verschiedene Betriebssysteme entwickelt: kartenresidente Version (CPS), bandresidente Version (TPS) und eine plattenresidente Version (DPS). Die Betriebssysteme enthielten bereits damals alle auch für moderne Betriebssysteme wichtigen Komponenten: Optimierung von Datenein- und ausgabe, Speicherplatzverwaltung, Programm-Bibliotheken, Fehlerbehandlung. Zusammen mit den Betriebssystemen wird zum ersten Mal eine "nicht-prozedurale" Programmiersprache dem Benutzer angeboten.

Das Card Programming System (CPS) [1965]
Dieses auf Lochkarten basierende Programmiersystem war das erste von drei, die für das System/360 Modell 20 entwickelt wurden. Es steuerte die angeschlossenen Kartenleser, Kartenstanzer und Schnelldrucker und diente dazu, klassische Lochkarten-Anwendungen (z.B. Lesen, Sortieren, Duplizieren, Zählen von Lochkarten) zu unterstützen. CPS war ein reines Stapelsystem, bei dem Mehrprogramm-Betrieb nicht möglich war.

Das Tape Programming System (TPS)
Mit dem Einsatz der neuartigen Bandgeräte als Daten- und Programmspeicher vollzog sich der Übergang von der Lochkarten-Ära zur elektronischen Datenverarbeitung. Sowohl das Sortieren der Daten als auch das Laden der Programme wurde somit schneller und vor allem zuverlässiger. Außerdem konnten jetzt größere Programme verwendet werden. Das Band-Programmiersystem TPS unterstützte Maschinen ab 8 kB Hauptspeicher und stellte u. A. Bandverwaltungsroutinen und eine logische Eingabe-/Ausgabe-Steuerung bereit. Die Bezeichnung Betriebssystem wurde für TPS noch nicht gebraucht, obwohl es bereits einige betriebssystemähnliche Funktionen enthielt.

Das Disk Programming System (DPS)
Dank der gerade verfügbar werdenden Plattenspeicher war das Platten-Programmiersystem das System, welches die größte Bedeutung und Verbreitung erlangte. Bis 1972 wurden deshalb insgesamt zehn Versionen jeweils mit funktionalen Erweiterungen herausgebracht. DPS unterstützte Systeme ab 12 kB, aber auch die neuen 32 kB-Systeme. Bei der Auslieferung von DPS an das Programmverteilzentrum der IBM bestand das Paket aus einem Plattenstapel und einem kleinen Stoß Lochkarten. Die Lochkarten waren erforderlich, um das Initialisierungsprogramm IPL (Initial Program Load) von der Platte zu laden. Es stellte sich aber heraus, dass die Verteilung der Lochkarten an die erwarteten 6000 Kunden teurer werden würde als die gesamte Entwicklung von DPS. So entschloss man sich in letzter Minute dazu, IPL im Mikrocode des Rechners zu verankern.

Der PL/I-D-Compiler [1967]
Bereits seit 1963 hatten Mitarbeiter des Böblinger Forschungs- und Entwicklungszentrums an der Definition einer neuen Programmiersprache namens PL/I mitgearbeitet. Zusammen mit Kundenvertretern hatten sie eine gemeinsame Sprache für die kaufmännische und die technische Datenverarbeitung entwickelt, die zuvor getrennt durch COBOL und FORTRAN abgedeckt waren. Deshalb war PL/I eine besonders umfangreiche Sprache. Die Böblinger Entwickler bekamen dann den Auftrag, einen Übersetzer für eine Teilmenge dieses Sprachumfangs für das Betriebssystem TOS/DOS (Tape Operating System) zu entwickeln. Dieser funktionierte nach dem Prinzip eines Mehrphasen-Übersetzers, d.h. es werden jeweils 5 kB-Stücke des Übersetzers von Band oder Platte geladen, um den Programmtext in bis zu 50 Einzelschritten in Maschinencode umzuformen.

Der PL/I-Übersetzer und der COBOL-Übersetzer für DPS
Nachdem durch die Arbeit am PL/I-Übersetzer für die TOS/DOS-Umgebung des System /360 Modell 20 Erfahrungen mit der neuen Programmiersprache PL/I vorlagen, wurde nach derselben Technologie ein weiterer PL/I-Übersetzer für die DPS-Umgebung entwickelt. Da sich PL/I gegenüber COBOL nicht wie erwartet durchsetzte, wurde gleichzeitig auch ein COBOL-Übersetzer für DPS entwickelt und ausgeliefert.

Das Low End Operating System LEOS [Ende 60er Jahre]
Mit LEOS wurde dem Böblinger Forschungs- und Entwicklungszentrum zum ersten Mal die weltweite Verantwortung für die Entwicklung eines Software-Systems übertragen. Ziel war ein Betriebssystem, welches das Feld der Kleinrechner, d.h. Maschinen mit einer Hauptspeicherkapazität von bis zu 64 kB, abdecken sollte. Die Projekt-Kalkulation war abgeschlossen und ein System-Management-Stab eingerichtet, als LEOS 1970 eingestellt wurde. Da es bereits ein Betriebssystem für diese Rechnerklasse gab, nämlich DOS, hätte man bestehende Kunden nur schwer zu einem Umstieg auf LEOS bewegen können (Never change a running system!). So entschied man sich, auch angesichts der Entwicklungskosten, zugunsten einer DOS-Erweiterung.

Technologie

Siliziumtransistor
1958 erfinden Forscher bei Fairchild den planaren Silizium Transistor. Dieser Transistor sollte der technologische Grundbaustein für die gesamte mikroelektronische Revolution der kommenden Jahrzehnte werden.1961 folgt dann der erste integrierte Schaltkreis. Der Startschuss für das "Silizium Zeitalter" ist gefallen.


Integrierter Schaltkreis

IBM beginnt umgehend, die neue Technologie für ihr Zwecke zu erforschen und einzusetzen . Mit SLT ( Solid Logic Technology) , einem Baustein der diskrete Silizium Transistoren und passive Bausteine auf einen ½ Zoll Keramikträger packt , wird der technologische Wandel von der Röhrenelektronik zur Transistorelektronik vollzogen und der Grundstein für das rasche Wachstum der Computertechnik gelegt. SLT wird die Basistechnologie für die /360 Systeme. In diesem Umfeld beschäftigt sich das Entwicklungszentrum weitgehend selbständig mit verschiedenen Forschungsfragen zu Halbleiter- Materialien ( z.B. GaAs ) und später dann mit integrierten Schaltkreisen in Silizium Technologie. Im Jahr 1965 entwickelte das Böblinger Team den ersten integrierten Schaltkreis der IBM , einen 'cross point switch' bestehend aus drei integrierten Bauteilen. Das war der erste Schritt in eine bis heute andauernde einzigartige technologische Evolution.


Pilot Line

Fundamental für den Erfolg der zukünftigen Speicher- und Logik- Chip Projekte der kommenden zwei Jahrzehnte sollte die Halbleiter Pilot Linie werden, die von Mitte der 60-er bis Anfang der 90-er im Böblinger Forschungs- und Entwicklungszentrum operierte.

Sie verschaffte den Entwicklern entscheidende Freiräume und Möglichkeiten, neue Ideen und Konzepte auszuprobieren, deren Potentiale zu demonstrieren und frühe Produktprototypen zu liefern.