IBM Deutschland Forschung und Entwicklung

IBM Geschichte im Jahr 1953


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Allgemeines

Von der "Denkfabrik im Grünen" zum Hightech-Center der Zukunft - so lassen sich über 40 Jahre Entwicklung am besten zusammenfassen. 1953 von Professor Karl Ganzhorn und sieben Mitarbeitern auf dem Schönaicher First als einzige deutsche IBM Entwicklungsstätte gegründet, wurde das Entwicklungszentrum in der IBM Welt schnell zum Inbegriff für Innovation "made in Germany".

Einleitung von Professor Karl E. Ganzhorn

Nachkriegszeit und Technischer Fortschritt
Die industrielle Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Europa im Wesentlichen durch zwei Triebkräfte bestimmt: Einerseits durch den Wiederaufbau der Wirtschaft nach dem Krieg, was einen massiven Aufschwung der konventionellen Industrie zur Folge hatte, und andererseits durch neue Technologiebereiche wie Atomkraft, Elektronik und Computertechnik. Für die letztere besonders bedeutsam waren das Konzept des gespeicherten Programms von John von Neumann 1945 und die Entdeckung des Transistoreffekts in Festkörpern durch Bardeen und Brattain 1947. Mit den Möglichkeiten des gespeicherten Programms und des Transistoreffekts im Festkörper war ein langer Weg für Forschung und Entwicklung vorgezeichnet. Forschung und Entwicklung erlangten eine gewichtige Rolle in der Industrie.

Die IBM profitierte in den Nachkriegsjahren durch ihren Vorsprung im Bereich der Lochkartentechnik am wirtschaftlichen Aufschwung und war so in der Lage, ihre multinationale Struktur und ihre Produktlinie auszuweiten. Forschung und Entwicklung nahmen dabei eine wichtige Rolle ein. So begann man bereits 1952 auch in Deutschland mit dem Aufbau eines IBM Forschungs- und Entwicklungszentrums.

Bereits seit längerer Zeit existierte in Böblingen ein großer mechanischer Konstruktionsbereich, der mit der Weiterentwicklung von Lochkartenmaschinen befasst war. Im Rahmen dieser bestehenden Organisation entstand ab 1952 das IBM Entwicklungszentrum Böblingen.

Großen Anteil daran, dass das Böblinger Forschungs- und Entwicklungszentrum eine so positive Entwicklung nehmen konnte, hatte der erste Chef des Böblinger Entwicklungszentrums, Karl Ganzhorn. Bei einem Besuch des Gründers der IBM, Mr. Thomas J. Watson Senior, im Mai 1953 präsentierte er Ansätze und Vorstellungen für eine elektronische Entwicklung in der Datenverarbeitung. Im Anschluss daran gab Mr. Watson der deutschen Geschäftsleitung die schlichte Weisung: "Geben Sie dem jungen Mann, was er wünscht". Es war ein nachhaltig wirkender Freibrief für den Aufbau der Entwicklung in den kommenden Jahren.

Während der 50er Jahre arbeiteten Entwickler in den verschiedenen europäischen Entwicklungszentren in Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Holland und Schweden unter lokalem Management an ersten elektronischen Projekten. Erst 1958 wurden schließlich alle europäischen IBM Entwicklungszentren unter der zentralen funktionalen Leitung von R.G. Mork zusammengefasst.

Im Oktober 1958 folgte die Aufgaben-Konsolidierung der europäischen Entwicklungszentren in einem besonderen Meeting in New York. Dabei wurden die zukünftigen Entwicklungsgebiete, Strategien und Missionen der europäischen Entwicklungszentren abgegrenzt und festgelegt.

Das deutsche Entwicklungszentrum bewarb sich erfolgreich um die Entwicklung kleiner und mittlerer Datenverarbeitungssysteme, sowie von Peripheriegeräten, insbesondere Schnelldruckern. Als besondere Aufgabe wurde die Schaffung einer Halbleiter-Entwicklung als Ausgangsbasis für eine spätere Halbleiterproduktion in Deutschland etabliert. Die bestehende mechanische Konstruktion wurde in das Entwicklungszentrum integriert und Dr. K. Ganzhorn als erster Direktor des IBM Entwicklungszentrums in Böblingen bestellt. Außerdem sollten eigene Gebäude des Entwicklungszentrums an einem für Spitzenkräfte attraktiven Standort errichtet werden. Auf Grund eines weisen Rats vom damaligen Technischen Direktor der IBM Deutschland, Oskar E. Hoerrmann, fiel die Entscheidung letztlich auf den Schönaicher First bei Böblingen, in Reichweite der Produktion in Sindelfingen. Im November 1959 begannen die ersten Bauarbeiten und schon im Dezember 1960 war es den ersten Ingenieuren möglich, ihre Arbeit im neuen Böblinger Entwicklungszentrum aufzunehmen.

Ab 1962 wurde das IBM Forschungs- und Entwicklungszentrum Böblingen mit der erfolgreichen Beteiligung an der Entwicklung der IBM/360 Produktlinie ein aktiv involviertes Mitglied in IBMs weltweiter Forschung und Entwicklung.

Baubeginn
Karl Weiß: "Wir hatten eine Reihe von Auswahlkriterien aufgestellt. Das Baugelände sollte abgesetzt sein von Industriegelände und städtischem Bereich, aber doch in erreichbarer Nähe zu anderen IBM Funktionen. Auf dem Gelände am Schönaicher First entstanden die ersten drei Gebäude in einer aufgelockerten Bauweise, die spätere Laborerweiterungen ermöglichte."

Hardware

Basierend auf den Kenntnissen, die IBM im Bereich der Lochkartentechnik hatte, wurde 1959 nach langjähriger Arbeit das System 1401 angekündigt. Es war das erste Produkt aus multinationalen Quellen. Schon Jahre zuvor kamen begabte Erfinder, Produktplaner und Ingenieure aus den USA und Frankreich nach Böblingen, um in wochenlangen gemeinsamen Diskussionen mit den deutschen Kollegen die beste Lösung für die WWAM (World Wide Accounting Machine) zu finden und damit die Basis für das System 1401, einen der erfolgreichsten Rechner der IBM, zu legen. Erstmals wurde der Transistor als Schalter eingesetzt. Damit war die elektronische Entwicklung auf Kurs.

IBM System /3000
Das Projekt System 3000, mit dem Codenamen "TINY", wurde 1952 von Thomas J. Watson sen. persönlich ins Leben gerufen. Ziel war es, ein kostengünstiges Lochkartensystem für Kunden mit bis zu 1000 Mitarbeitern zu entwickeln. Durch Reduzierung der Kartengröße, die damit verbundene Verkleinerung der Maschinen und die resultierenden Einsparungen im Stromverbrauch haben die Mitarbeitern des Entwicklungszentrums dieses Ziel erreicht. 1962 wurde das System 3000 durch das System /3 abgelöst.

Technologie

Zeichenerkennung Entwicklungsarbeiten und Patente zur maschinellen Erkennung von handgeschriebenen Zeichen (Zahlen und Buchstaben), basierend auf dem Konturverfahren.

Transistor als Schalter
Der Transistor wird als Schalter anstelle von Relais und Röhren eingesetzt (weltweites Patent: der Transistor als Schalter). Ein wesentlicher Beitrag für die Verwendung von Halbleitern in Rechnern und damit für die folgende rasante Verbesserung aller Leistungskenngrößen.