1950 stellte der britische Mathematiker Alan Turing im Aufsatz „Computing Machinery and Intelligence“ die Frage „Can machines think?“ und beschrieb einen Test, mit dem festgestellt werden kann, ob das „Denkvermögen“ einer Maschine demjenigen eines Menschen gleichwertig ist. 1991 lobte der amerikanische Philanthrop Hugh G. Loebner den nach ihm benannten Loebner-Preis aus: Mit ihm soll der Programmierer des ersten Computerprogramms ausgezeichnet werden, das den Turing-Test besteht.
Turings Aufsatz hat unzählige Tüftler beflügelt, „denkende“ Maschinen zu erfinden. Die Forscher in den Labors von IBM sind mit ihrer Arbeit an selbstlernenden Computersystemen einigen Utopien schon recht nahe gekommen, bleiben aber realistisch, wenn es zum Vergleich mit der Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns kommt. Watson, der Sieger der „Jeopardy!“-Spielshow von Anfang 2011, ist eine speziell für diese Rolle konstruierte Maschine, die ihren Mitspielern bei so gut wie jeder anderen Aufgabe unterliegen würde. Erfahrungen aus dem Projekt fliessen aber nun mit Hochdruck in die Beantwortung von Fragen ein, die für die Menschheit überlebenswichtig sind.
Bei vielen dieser Probleme geht es darum, aus ununterbrochen anfallenden riesigen Datenmengen – Big Data – Erkenntnisse zu gewinnen, damit Lösungen zu simulieren und aufgrund der Resultate dieser Experimente oft in Echtzeit Entscheidungen zu fällen. Mit der Vorhersage, dass Big Data unsere Zukunft entscheidend prägen wird, steht IBM nicht alleine da. Beratungsunternehmen verfassen Studien, und Wirtschafts- und Technikmedien widmen der Materie grosse Aufmerksamkeit. In einem Punkt sind sich alle Autoren einig: Nebst Hard- und Software braucht es vor allem „Brainware“ – die findet sich vorderhand noch ausschliesslich in kreativen Köpfen. Einer davon wird irgendwann den Loebner-Preis abholen.
Isabelle Welton
Chief Executive Officer, IBM Schweiz

