Schlüsselprojekte werden bei der IBM von den so genannten Executive Project Managern geführt. Einer von diesen Spitzenkräften ist der 55-jährige Rolf Bickel.
Ruhepol im Projekt-Biwak
Es ist wie bei einer Himalaya-Besteigung. Ein erfahrener Bergführer gleist die Expedition logistisch auf, richtet ein Basislager ein und bricht schliesslich mit einer handverlesenen Spezialistentruppe zum Gipfel auf.
Rolf Bickel lacht: „Manchmal kommt man sich auf einem anspruchsvollen Kundenprojekt schon wie in einem Biwak vor.“ Da kann eine steife Brise wehen; Projekte können in der Steilwand zu Hängepartien werden; unerfahrene Teammitglieder können die Nerven verlieren. „In solchen Situationen ist es an mir, Ruhe zu bewahren“, erklärt Rolf Bickel. Er müsse dafür sorgen, dass seine Leute auch unter Extrembelastung voll arbeiten könnten.
Dass er das kann, beweist er seit 14 Jahren, seit seinem Wechsel vom Verkauf ins Projektmanagement. Er hat in dieser Zeit die Karriereleiter erklommen und ist heute einer von gerade mal sechs Executive Projekt Managern in der Schweiz.
Seine Spezialität ist die Umsetzung von Integrationsprojekten in führenden Unternehmen der Finanzwelt. Der Branchenfokus hat biographische Gründe: Schon seine Lizentiatsarbeit an der Uni Zürich schrieb er über IT und Banking. Später arbeitete er unter anderem bei der Schweizerischen Nationalbank, und auch sein bisher letztes langfristiges Projekt war in der Finanzindustrie angesiedelt; die Stabilisierung einer Systemplattform bei einer Schweizer Grossbank.
„Im November schloss ich das Projekt ab“, erinnert sich Bickel, „und kurz darauf flog ich mit meiner Frau nach Patagonien in die Ferien.“ Was er damals noch nicht wusste: Wenige Monate später würde er auch beruflich in Südamerika zu tun haben; und zwar als Mitglied eines Teams des IBM Corporate Service Corps (CSC) in São Paulo.
In Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung (Corporate Social Responsibility) offeriert IBM seit 2008 alljährlich einer handverlesenen Schar von Mitarbeitern CSC-Einsätze in Schwellen- und Entwicklungsländern. Dies in doppelter Absicht: Einerseits um lokale NGO mit IT- und Projekt-Know how zu unterstützen; anderseits um die eigenen Mitarbeiter fernab von der Heimat wertvolle persönliche und berufliche Erfahrungen machen zu lassen.
In São Paulo stellte IBM ein Team von 15 Mitarbeitern aus zehn Ländern, das beim Aufbau und Unterhalt von Grundschulen in den Favelas mitwirkte. „Der Lerneffekt war gross“, erklärt Bickel, „denn es herrschten natürlich kargere Verhältnisse als auf den üblichen IT-Projekten von IBM.“
Seit seiner Rückkehr arbeitet der 55-jährige wieder auf einem kommerziellen Projekt; einmal mehr im Bankenumfeld. Sein Team umfasst IT-Architekten, Business Consultants, Programmierer, Migrations- und Integrationsspezialisten sowie Bankfachleute vom Kunden. Dauer des Projekts: anderthalb Jahre. Und was kommt dann? „Die nächste Expedition“, meint Rolf Bickel. Wohin sie führen wird, weiss er noch nicht. „Aber gerade das ist das Spannende an meinen Job.“
Rolf Bickel
ist als gebürtiger New Yorker schweizerisch-amerikanischer Doppelbürger. Als er sieben Jahre alt war, kehrte die Familie von Long Island in die Schweiz zurück. Nach der Matura studierte Bickel in Zürich Betriebswirtschaft und Informatik. Seit 1987 ist er bei IBM. In der Freizeit geht er als Privatpilot gern in die Luft und als Taucher ins Wasser. Der bekennende «Global Citizen» reist gern und ist zuhause in Kloten seit 20 Jahren Mitglied eines Männerkochclubs.
